ThalassO - Der Benguela und sein Upwelling

 

Die Westküste des südlichen Afrikas unterliegt dem Einfluß des Benguelastromes. Dieser besonders kalte Strom entstammt den polarnahen Gegenden des südlichen Atlantischen Ozeans und fließt von Süden nach Norden entlang der Küsten von Südafrika und Namibia.

Mit dem Benguelastrom ist das Phänomen des Upwelling verbunden. Dieses Upwelling entsteht durch die an der Westküste des südlichen Afrikas vorherrschenden SO-Winde. Diese Winde ziehen mit großer Geschwindigkeit über das Land und schieben dabei die oberen warmen Meerwasserschichten von der Küste weg. Dabei wird das Oberflächenwasser durch kaltes Meerestiefenwasser ersetzt, das einer Tiefe von mindestens 200m entstammt. In dieser Tiefe - in die kein Sonnenlicht eindringen kann -, läuft eine Vielzahl von biologischen Prozessen ab, in denen organisches Material durch Bakterien und Pilzkulturen zu Nährstoffen mineralisiert wird.

Das nebenstehende Bild zeigt den Prozeß des Upwelling.
Das Wasser aus den großen Tiefen des Ozeans ist sehr viel kälter und nährstoffreicher als das Oberflächenwasser. Wenn es nun an die Oberfläche gelangt, werden diese Nährstoffe durch das Phytoplankton (einzellige Pflanzen) zur Photosynthese genutzt, indem die Sonnenenergie die mineralischen Nährstoffe in biologische Biomasse umwandelt, die Nahrung für andere Organismen darstellt. Die Photosynthese ist die Basis jeder Nahrungskette und deshalb Grundlage jeden Lebens.

Der Benguelastrom ist ein extrem schnellfließender Meeresstrom und das Upwelling vor der namibischen Küste gehört zu den stärksten in der Welt. Die Gewässer vor Namibia gelten als fischreich, da durch die riesige Primärproduktion von Biomasse (durch Nutzung von Nährstoffen und Sonnenlicht durch das Phytoplankton) eine ausreichende Nahrungsgrundlage für die Fische vorhanden ist. Ohne den starken Upwellingprozeß könnte längst nicht genug Nahrungsgrundlage für die Fische geliefert werden.

Das folgende Satellitenbild A zeigt nun den kalten Upwellingprozeß vor der namibischen Küste. Je kälter das Wasser ist, um so dunkler (bis schwarz) erscheinen die Strömungen. Ein besonders großes Upwellinggebiet ist vor Lüderitzbucht erkennbar. In außergewöhnlich kalten Upwellingperioden kann das Oberflächenwasser sogar bis auf 8 °C sinken. Vergleicht man nun dieses Bild mit der Gesamtaufnahme vom südlichen Afrika (Satellitenbild B), so ist an der extrem dunklen Farbe erkennbar, daß das upgewellte Wasser vor Namibia die gleiche Temperatur wie im offenen Atlantik aufweist.

Im polarnahen südlichen Atlantik sinkt das Wasser, da es kalt ist und damit eine größere Dichte aufweist, auf den Meeresboden und transportiert dabei Nährstoffe in diese Tiefen. Dieses Wasser wird dann durch das periodische und saisonale Upwelling vor der namibischen Küste an die Oberfläche gedrückt. In Kurzform nochmals die Fakten:

  • Der Benguela ist einer der geologisch ältesten Ströme der Welt.
  • Der Benguela ist einer der stärksten Fließ-Systeme.
  • Die marine Nahrungskette des Benguela ist enorm produktiv. Daraus resultieren hohe bis höchste Konzentrationen an marinem Leben wie nirgendwo anders auf der Welt.
  • Der Benguela verläuft parallel zur Küste des südlichen Afrikas. Die Küstenzone ist sehr trocken, da die vorherrschenden SO-Winde von der Küste weg- und kein Wasser mit sich führen. Dieser Teil Namibias wird als hyper-arid bezeichnet.

Das Phänomen des Benguela mit seinem Upwelling hat Einfluß auf die Naturgeschichte und die soziale Entwicklung der Küste. Anhand einer Karte mit der Atlantikküste des südlichen Afrikas ist ersichtlich, daß dort nur vereinzelt und in geringem Maße Wohnsiedlungen zu finden sind. Die Populationsdichte an der Küste ist äußerst dünn. Im Gegensatz zum dichtbesiedelten Europa gibt es dort nur minimale Einleitungen in die See.

Als Konsequenz zum geringen Regen gibt es an der Westküste Afrikas so gut wie kein Ackerland und dadurch lediglich äußerst geringe Einleitungen von Herbiziden und sonstigen Düngemitteln von den Farmen in das Meer.

Flüsse an der Westküste des südlichen Afrikas sind selten, da in der Küstenzone kein Regen fällt. Die meisten aus dem Binnenland kommenden kleinen Flüsse führen nur zur Regenzeit Wasser und fallen ansonsten trocken. Andere dienen der Trinkwasserversorgung der Bevölkerung und werden gestaut.

Aufgrund dieser Umstände kann die Summe der Einleitungen in die See - im Gegensatz zu Europa – als bedeutungslos angesehen werden.

An der namibischen Küste, und hier vorzugsweise in und um Lüderitzbucht, gibt es außer Fischfang und –verarbeitung so gut wie keine industriellen Aktivitäten. Daran wird sich auch in Zukunft nichts ändern, da die Küstenwüste eine höhere Bevölkerungs- und Industriedichte nicht zuläßt.

Das Wasser des Benguela, das als Teil des Upwellingprozesses an die Oberfläche kommt, entstammt ursprünglich dem südlichen Atlantischen Ozean und ganz speziell der Antarktis und ist eines der reinsten Meerwässer der Welt. Durch die hyper-aride Wüste entlang der Küste Namibias fehlen Umweltver-schmutzungen durch Bevölkerung und Industrie völlig. Die einzige Küstenlinie, die man mit der von Namibia vergleichen kann, ist die in Chile. Sie besitzt ebenfalls eine Küstenwüste und ein Westküsten-upwelling vom Pazifischen Ozean. Durch El Nino ist jedoch in den letzten Jahren das biologische Gleichgewicht an der chilenischen Küste völlig durcheinander geraten.

Zusammenfassend kann man also sagen: Das Benguela-Ökosystem ist eine der unberührtesten und am wenigsten verschmutzten marinen Systeme dieser Welt.

 

 

 

 

 

 

 

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